29.04.2013 – Der Vorstand der WGF AG hatte im Dezember 2012 seinen Antrag beim AG Düsseldorf auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens mit dem Antrag auf Eigenverwaltung verbunden. Nicht ein Insolvenzverwalter sollte für das Insolvenzverfahren verantwortlich sein, sondern der Vorstand der WGF AG. Das Gericht musste dem Antrag der WGF AG vorläufig entsprechen, da ein gerichtliches Ermessen für eine Ablehnung eines solchen Antrags nicht gegeben ist, es sei denn Nachteile für die Gläubiger der WGF AG sind offensichtlich.

Am 22.05.2013 müssen nun die Gläubiger der WGF AG in einer Gläubigerversammlung entscheiden, ob sie eine Insolvenzabwicklung in Verantwortung der WGF AG wollen, oder ein Regelinsolvenzverfahren.

Der Irrweg der Eigenverwaltung

Die Kanzlei Keitel & Keitel Rechtsanwälte ist mit weiteren in Sachen WGF AG tätigen Kanzleien der Auffassung, dass das Konzept der Insolvenz in Eigenverwaltung unter Ägide der WGF AG ein Irrweg ist.

Das von den Eigentümern eingebrachte Eigenkapital war für ein Unternehmen der Immobilienbranche mit nur 5 % verschwindend gering. Dieses Eigenkapital ist durch die Überschuldung des Unternehmens komplett verloren. Das von den Anleihegläubigern in die WGF-Eigentümer bzw. Pino Sergio gesetzte Vertrauen besteht nicht mehr. Warum der Vorstand der WGF AG nach seinem Komplettversagen im Amt bleiben soll, ist nicht nachvollziehbar.

Die WGF AG war ganz überwiegend durch Anleihen finanziert. Die Anleihegläubiger haben in der Gläubigerversammlung eindeutig das Sagen.

Im Insolvenzverfahren geht es im Wesentlichen um eine intelligente Verwertung des vorhandenen Immobilienvermögens der WGF AG im Interesse der Anleihegläubiger. Hierzu wird das bestehende Management der WGF AG nicht benötigt. Ein starker immobilienerfahrener Insolvenzverwalter sollte die Verwertung übernehmen.

Eine Insolvenz in Eigenverwaltung macht nur Sinn, wenn letztlich eine dauerhafte Fortsetzung der Geschäftsaktivitäten eines Unternehmens angestrebt wird. Insoweit gibt es keine Chancen auf Erfolg. Denn wer soll die WGF AG zukünftig finanzieren? Banken haben dies ohnehin noch nie getan. Als Anleiheemittentin ist der Name der WGF AG im Markt verbrannt.

Regelinsolvenz nicht mit Zerschlagung gleichzusetzen

Auch im Rahmen einer von uns favorisierten Regelinsolvenz besteht die Möglichkeit, dass die Gläubigerversammlung einen Insolvenzverwalter mit der Erstellung eines Insolvenzplanes beauftragt und ein geordneter Verkauf der Immobilien über einen längeren Zeitraum erfolgt.
Regelinsolvenz bedeutet also nicht Zerschlagung, wenn die Gläubigerversammlung dies nicht wünscht.
Zudem kann auch ein Insolvenzverwalter unfertige Immobilienvorhaben der WGF AG zu Ende führen, wenn hierfür finanzielle Mittel vorhanden sind.

Nur im Falle einer Regelinsolvenz ist zudem eine ordentliche Aufarbeitung der Historie der WGF AG zu erwarten – eine Aufarbeitung, an welcher der Vorstand der WGF AG kein Interesse hat.

Dementsprechend werden wir gemeinsam mit anderen mit uns kooperierenden Anwaltskanzleien in der Gläubigerversammlung am 22.05.2013 gegen eine Insolvenz in Eigenverwaltung und für eine Regelinsolvenz verbunden mit einem vom einem Insolvenzverwalter nach den Vorgaben der Gläubigerversammlung zu erstellenden Insolvenzplan eintreten.

Diffuse Stimmrechtssituation in der Gläubigerversammlung am 22.05.2013

Leider haben sich nach der Gläubigerversammlung am 08.04.2013 die Möglichkeiten der Anleihegläubiger zur Einflussnahme auf das weitere Insolvenzverfahren erheblich verändert.

Dies betrifft insbesondere die Anleihen mit den Nummern WGFH05, WGFH06 und WGFH08.

Die vorab einberufene Gläubigerversammlung am 08.04.2013 repräsentierte nur einen geringen Teil des gesamten Anleihekapitals. Dennoch bestand bei vier von sechs WGF-Anleihen formal die gesetzliche Möglichkeit, dass sich gemeinsame Vertreter zur Wahl stellten, die dann jeweils in der Gläubigerversammlung die gesamte Anleihe als Ganzes vertreten. Diese vom Gesetzgeber eingeräumte Möglichkeit wurde aufgrund von Vorabsprachen von den Anlegerschutzvereinigungen DSW und SDK auch genutzt.

Ohne ein Konzept vorstellen zu können, nutzte man die erteilten Vollmachten, mit einer Minderheit des jeweiligen Anleihekapitals eigene Vertreter wählen zu lassen. Diese gemeinsamen Vertreter traten gemeinsam mit Rechtsanwalt Reiter aus Düsseldorf, der neben Herr Pino Sergio und Herrn Zimmer von WGF AG weiterer Vorstand der WGF AG werden will, für die Insolvenz in Eigenverwaltung ein.

Offensichtlich waren auch schon Positionen im Aufsichtsrat und im Gläubigerausschuss vorbesprochen.

Ob die Wahl dieser gemeinsamen Vertreter Bestand hat, bleibt abzuwarten. Die Wahl der gemeinsamen Vertreter kann nämlich innerhalb einer Monatsfrist nach Veröffentlichung der Beschlüsse bis zum 17.05.2013 von jedem betroffenen Anleihegläubiger angefochten werden.

Aktueller Stand ist, dass bei den Anleihen

WGFH05, WGFH06 und WGFH08

jeweils der gemeinsame Vertreter in der Gläubigerversammlung am 22.05. allein für die gesamte Anleihe auftreten und für die gesamte Anleihe abstimmen wird. Ein Erscheinen der betroffenen Anleihegläubiger dieser Anleihen am 22.05.in Düsseldorf ist überflüssig. Sie können nicht Einfluss nehmen.

Offensichtlich sind die gemeinsamen Vertreter der Anleihen WGFH05, WGFH06 und WGFH08 aber selbst nicht von der dauerhaften Bestandskraft ihrer Wahl überzeugt.

Sie haben zum Teil die Anleger aufgefordert, ihnen zusätzklich noch eine individuelle Einzelvollmacht zu erteilen, falls eine wirksame Anfechtung ihrer Wahl erfolgt.

Die Erteilung einer solchen Vollmacht an die gemeinsamen Vertreter halten wir für keine gute Idee. Wer keine Eigenverwaltung möchte, sollte die gewünschte Vollmacht den gemeinsamen Vertretern nicht erteilen oder eine bereits erteilte Vollmacht widerrufen.

Zugleich empfehlen wir, keinesfalls der Aufforderung von WGF AG nachzukommen, der WGF AG selbst das Stimmrecht für die Gläubigerversammlung am 22.05.2013 zu erteilen.

Teilnahme / Interessenvertretung am 22.05.2013 von Nöten

Bei den folgenden Anleihen sind die Anleihegläubiger aber auf jeden Fall noch handlungsfähig.

A0LDUL, WGFH04 und WGFH07

Hier können die Anleihegläubiger sich noch selbst vertreten oder bestimmen, wer ihr Vertreter sein soll.

Diejenigen Inhaber dieser Hypothekenanleihen, welche zu dem Konzept der Insolvenz in Form der Eigenverwaltung durch die WGF AG kein Vertrauen haben, sollten entweder selbst zu der entscheidenden Gläubigerversammlung am 22.05.2013 erscheinen oder einen Rechtsanwalt ihres Vertrauens mit ihrer Vertretung zu beauftragen.

Denn bei diesen Anleihen sind die Anleihegläubiger noch Herr ihres Stimmrechts.
Informieren Sie uns über Ihr Interesse an einer anwaltlichen Vertretung im Insolvenzverfahren der WGF AG an.


info@keitel-anwaelte.de

Rechtsanwalt Hans G. Keitel
Keitel & Keitel Rechtsanwälte
Decksteiner Straße 78
50935 Köln

Tel. 0221-4308830

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