28.12.012 – Nach Auffassung des Vorstands der WGF AG sind die Medien für die Insolvenz der WGF AG verantwortlich.  In einer WGF-Veröffentlichung vom 19.12.2012 heißt es:

„Der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen der WGF AG war erfolgt, nachdem durch einen Reputationsschaden wegen ungerechtfertigter Darstellung der WGF AG in einigen Medien die Kurse von Anleihen der WGF AG abgestürzt waren, somit neue Hypothekenanleihen zur Refinanzierung der strategischen Neuausrichtung an den Märkten nicht mehr zu platzieren waren.”

 

Wirtschaftsprüfer von WGF spielten nicht mehr mit

So falsch kann die Medienberichterstattung und die Einschätzung der Banken aber nicht gewesen sein. Denn nun liegt die Wahrheit auf dem Tisch in Form des Jahresabschlusses der WGF AG per 31.12.2011. Die Wirtschaftsprüfer der WGF, die Karl Berg GmbH, Düsseldorf, hatten nicht mehr mitgespielt und auf einer Bewertung des Immobilienvermögens auf Grundlage von aktuellen Verkehrswerten bestanden. Dies führt zu  Abschreibungen auf Forderungen an verbundenen Unternehmen und auf das Immobilienvermögen. Der Bilanzverlust beträgt € 71 Mio, der nun auf € 68 Mio korrigiert wurde. Der Insolvenzantrag wurde dann noch vor Veröffentlichung der negativen Zahlen am 11.12.2012 beim Amtsgericht Düsseldorf gestellt aufgrund „drohender Zahlungsunfähigkeit“. Das Unternehmen hätte seine laufenden Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen können und stand kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Konkret konnte die per 15.12.2012 fällige Unternehmensanleihe WKN WGFH06 nicht zurückgezahlt werden.

Der Insolvenzantrag wurde von WGF mit einem Antrag auf Eigenverwaltung verbundenen nach § 270 a InsO.  Bei der Eigenverwaltung wird entgegen dem Regelfall kein Insolvenzverwalter eingesetzt, der zeitnah das vorhanden Immobilienvermögen veräußert, sondern es wird versucht, über einen Insolvenzplan das Unternehmen zu sanieren. Zugleich müssen fällige Forderungen (z.B. fällige Anleihen und Zinsen) nicht mehr bedient werden. In Bezug auf die Erfolgsaussichten der Sanierung sind die Wirtschaftsprüfer von WGF AG allerdings vorsichtig. Hierzu sagen sie in ihrem eingeschränkten Testat zum Jahresabschluss 2011:

„Der Vorstand geht im Lagebericht 2011 davon aus, dass der Fortbestand des Unternehmens gesichert ist. Im Hinblick auf das beim Amtsgericht Düsseldorf beantragte Insolvenzverfahren (Eigenverwaltung, …) können wir diese Einschätzung nicht abschließend beurteilen.“

 

Zustimmung der Gläubiger für Eigenverwaltung zwingend erforderlich

Wichtig für die Anleihegläubiger zu wissen: Ohnen die Zustimmung der Anleihegläubiger in der Gläubigerversammlung wird es eine Eigenverwaltung nicht geben. Das Amtsgericht Düsseldorf wird sehr bald im Jahr 2013 eine Gläubigerversammluing einberufen, in welcher die Gläubiger der WGF AG  entscheiden können, ob  WGF AG auf Grundlage des vorgelegten Insolvenzplans das Unternehmen fortführen darf oder ob ein Insolvenzverwalter eingesetzt wird, der umgehend eine Verwertung des Immobilienvermögens einleitet. Die Anleihegläubiger sind daher kurzfristig gefordert, im eigenen Interesse in dieser entscheidenen Gläubigerversammlung für eine sachgerechte Vertretung ihrer Interessen Sorge zu tragen. Darüber hinaus sind von den Anleihegläubigern die Forderungen auf Anleihekapital und Zinsen zur Insolvenztabelle anzumelden.

 

Bilanzielle Situation der WGF bereits Ende 2011 desaströs

Aufgrund der Negativentwicklung weist WGF AG per 31.12.2011 ein negatives Eigenkapital von € 65 Mio und damit eine Überschuldung auf, was einer Quote von ca../. 28 % auf die Bilanzsumme entspricht – ein dramatisch schlechter Wert. Zu der Frage, wie sich die wirtschaftliche Situation von WGF AG aktuell per Ende 2012 darstellt, äußert sich WGF AG nicht.

 

Risikoreiches Geschäftsmodell von WGF AG

Um die Entwicklung bei WGF zu verstehen, ist das Geschäftsmodell näher zu beleuchten. WGF ist keine klassische Immobiliengesellschaft, welche ihre Erträge nachhaltig aus Mieterträgen generieren. WGF AG versteht sich als Immobilienhändler, der Immobilien kurzfristig ankauft, um diese nach relativ kurzer Haltedauer wieder abzustoßen.  Noch im Dezember 2011, als man – wie sich heute zeigt – schon “pleite” war,  beschrieb der Vorstand Pino Sergio die WGF-Aktivitäten wie folgt:

„Unser Geschäftsmodell ist seit 2003 klar auf den Handel mit Immobilien fokussiert gewesen. Das bedeutet: Einkauf und Verkauf in vergleichsweise kurzer Zeit. Wir sind kein Bestandshalter. Seit Ende 2009 bauen wir zusätzlich den Bereich Projektentwicklung auf, der jetzt zunehmend zum Erfolg der Firma beiträgt. Auch dieser Geschäftsbereich hat vergleichsweise kurze Produktzyklen.“

Ausweislich der Bilanz erfolgte die Finanzierung der WGF AG nicht über Banken, sondern fast ausschließlich über Hypothekenanleihen, welche überwiegend von Privatanlegern erworben wurden. Die Finanzierung über die Emission von Anleihen hat zuletzt nicht mehr funktioniert – und das zu Recht, wie die nüchternen Zahlen, die die Wirtschaftprüfer per 31.12.2011 ermittelt haben, ausweisen. Die Qualität der Immobilien entspricht nicht den vorangegangenen Bilanzansätzen. Da der Immobilienmarkt grundsätzlich in guter Verfassung ist, besteht der Verdacht, dass Fehlinvestitionen vorliegen. Angesichts einer auf Managementfehler hindeutenden  Situation ist gegenüber dem Wunsch der WGF, in Eigenverwaltung eine Sanierung herbeizuführen, Skepsis angesagt. Die diesbezüglichen Ankündigungen des Vorstands zu einem zu erstellenden Sanierungsplan sind eher verschwommen. Die WGF solle sich zunehmend aus dem bisherigen Geschäft, dem Handel mit Immobilien, zurückziehen. Dies solle zum einen durch den schonenden und auf der Zeitachse gestreckten Abverkauf der Bestandsimmobilien erfolgen, den der Insolvenzplan ermöglichen soll.  Ziel sei es, daraus möglichst hohe Kaufpreise zu erzielen. Zum anderen solle  gleichzeitig die  Projektentwicklung als künftiges Kerngeschäft  weiter ausgebaut werden.“

 

Unsere Einschätzung:

WGF AG sah sich nur unter dem Druck seiner eigenen Wirtschaftsprüfer veranlasst, die Wahrheit über die desaströse wirtschaftliche Situation offen zu legen. Wie der Vorstand das hierdurch verspielte Vertrauen zurückgewinnen will, ist unklar. Zudem ist unklar, wie die WGF AG die Projektentwicklung „als künftiges Kerngeschäfts“ weiter ausbauen will. Bei Banken wird eine Bereitschaft, Projektentwicklungen zu finanzieren, schon angesichts der Überschuldung in der Bilanz nicht bestehen; gleichzeitig werden die Anleihegläubiger froh sein, eine realistische Quote auf ihre bestehenden Anleiheinvestitionen zu erhalten und keine neuen Risiken in Form von „fresh money“ eingehen wollen.

 

Anleihegläubiger müssen in der Insolvenz das Sagen haben

WGF AG ist derzeit zu annähernd 80 % durch die überwiegend an Privatanleger ausgegebenen Anleihen finanziert. Das heißt: In der Insolvenz der WGF AG geht es ganz wesentlich um die Interessen der Anleihegläubiger. Diese stehen im Mittelpunkt und deren Interesse muss das weitere Verfahren wesentlich mitbestimmen. Dies ist aber nur möglich, wenn die Inhaber der Anleihen ihre Rechte wahrnehmen und sich in der Insolvenz der WGF AG kompetent vertreten lassen.

 

Offene Fragen aus Sicht der Anleihegläubiger

Es geht für die Anleger, welche in die WGF-Anleihen häufig zum Zwecke der Altersvorsorge investiert haben, um die Beantwortung drängender Fragen:

Habe ich Ansprüche gegen die vermittelnde Bank oder den vermittelnden Finanzberater wegen mangelhafter Aufklärung über die mit der Kapitalanlage verbundenen Risiken?

Ergeben sich Ansprüche aus fehlerhaften Ratings von Anleihen der WGF AG?

Kann die Gesellschaft Ansprüche gegen die verantwortlichen Personen bei WGF AG (Vorstand, Aufsichtsrat) geltend machen,?

Wann und wie sind meine Forderungen im Insolvenzverfahren anzumelden?

Wie wird sichergestellt, dass in der Insolvenzabwicklung die Interessen der Anleihegläubiger angemessen berücksichtigt werden?

Wie hoch werden die Kosten von Beratern in einer Sanierung durch Eigenverwaltung sein. Ist es nicht besser, einem weiteren Wertverfall der Immobilien durch einen zeitnahen Verkauf zuvor zu kommen?


So kurz nach Beantragung der Insolvenz gibt es noch nicht auf sämtliche Fragen umfassende und endgültige Antworten. Unsere Kanzlei wird die erforderlichen Informationen Stück für Stück zusammentragen und auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse konsequent im Sinne der Anleihegläubiger einsetzen.  Hierbei nutzen wir unsere Kontakte zu weiteren Anwaltskanzleien und Gläubigerschutzgemeinschaften. Wir haben für interessierte Anleger die Interessengemeinschaft

„WGF-Anleihen in Not“

gegründet.

Fordern Sie ein Angebot zum Beitritt zur Interessengemeinschaft „WGF-Anleihen in Not“ an:

>> Hier geht es zum Formular: Interessengemeinschaft „WGF-Anleihen in Not“

Rechtsanwalt Hans G. Keitel
Keitel & Keitel Rechtsanwälte
Decksteiner Straße 78
50935 Köln
info@keitel-anwaelte.de

Tel. 0221-4308830

 

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